Im Februar 2026 sind sechs Agent-Marketplaces innerhalb von 28 Tagen gestartet. Anthropic hat Cowork gelauncht, OpenAI die Frontier-Plattform, Perplexity ein Multi-Model-Abo für 200 Dollar, Superhuman einen Agent Store, dazu Google Cloud und Oracle mit eigenen Marktplätzen. Klingt nach Fortschritt. Ist es auch — auf dem Papier.
In der Praxis entsteht gerade ein Problem, das Entwickler und Creator direkt betrifft: Jeder Marketplace ist eine geschlossene Welt. Ein Agent, der für den GPT Store gebaut wurde, läuft nicht auf Cowork. Ein Anthropic-Plugin funktioniert nicht bei Oracle. Wer mehrere Plattformen bedienen will, baut denselben Agent drei- bis sechsmal.
Was im Februar passiert ist
Die Timeline:
- 5. Februar: OpenAI startet Frontier. Agents als virtuelle Mitarbeiter, Enterprise-Tier, Partner wie McKinsey und Intuit.
- 23. Februar: Superhuman öffnet den Agent Store. Partner: Box, Gamma, Wayground. Nur für E-Mail.
- 24. Februar: Anthropic launcht Cowork. 13 Enterprise-Plugins, darunter Salesforce und DocuSign. Desktop-Zugriff auf Dateisysteme.
- 27. Februar: Perplexity stellt Computer vor. 19 Modelle in einem Abo, 200 Dollar pro Monat.
- Ende Februar: Google Cloud erweitert den AI Agent Marketplace. Oracle bringt Agent-Integration für Fusion Apps, mit IBM, KPMG und Stripe.
Sechs Plattformen, alle mit eigenen Ökosystemen, eigenen APIs, eigenen Regeln. Und null Kompatibilität untereinander.
Warum das ein echtes Problem ist
Fragmentierung klingt nach einem abstrakten Branchenproblem. Für Leute, die Agents bauen, ist es sehr konkret.
Für Entwickler heißt es: Du entscheidest dich für eine Plattform oder du wartest doppelt und dreifach den gleichen Code. Der GPT Store hat über drei Millionen Custom GPTs — die funktionieren exakt nirgendwo anders. Dein Anthropic-Plugin? Cowork-exklusiv. Jede Plattform will Lock-in, weil Lock-in Geld bringt.
Für Unternehmen heißt es: Du kaufst dich in ein Ökosystem ein. Wenn dein Sales-Team auf Salesforce-Agents über Cowork setzt und dein Finanzteam Oracle-Agents nutzt, hast du zwei Agent-Welten, die nichts voneinander wissen.
Für Creator heißt es: Du erreichst nur die Nutzer einer Plattform. Willst du auf drei Plattformen sein, pflegst du drei separate Listings mit unterschiedlichen Anforderungen.
Das Muster kennen wir. App Stores in den 2010ern, Messaging-Plattformen, Social Media. Geschlossene Systeme, die Nutzer binden, indem sie den Wechsel teuer machen.
Der Elefant im Raum: 200 Dollar für was genau?
Das Pricing verdient einen eigenen Abschnitt. Perplexity verlangt 200 Dollar im Monat für den Max-Tier. OpenAI liegt mit ChatGPT Pro bei 200 Dollar. Anthropic staffelt bis 200 Dollar für Claude Max.
Für Enterprise-Teams mit Budget ist das verkraftbar. Für Solo-Entwickler, kleine Teams oder Creator ist das eine Mauer. Wer alle drei Plattformen nutzen will, zahlt 600 Dollar im Monat, bevor der erste Agent überhaupt produktiv ist.
Das Modell begünstigt große Unternehmen und schließt kleinere Akteure aus — genau die Leute, die oft die interessanteren Agents bauen.
Was fehlt: eine offene Schicht
Es gibt einen Grund, warum das Web funktioniert: offene Standards. HTTP, HTML, DNS — nicht weil offene Standards romantisch sind, sondern weil sie praktisch sind. Jeder kann mitmachen, ohne von einem Gatekeeper abhängig zu sein.
Im Agent-Ökosystem fehlt diese Schicht. MCP (Model Context Protocol) ist ein Anfang, aber noch weit davon entfernt, eine verbindliche Brücke zwischen Plattformen zu sein. Einzelne Projekte wie AgentPMT versuchen, eine plattformübergreifende Vermittlung zu bauen. Die Richtung stimmt, die Umsetzung braucht Zeit.
Was gebraucht wird:
- Portabilität: Agents, die einmal gebaut und auf mehreren Plattformen deployed werden können
- Offene Discovery: Ein zentraler Ort, an dem Agents plattformunabhängig gefunden und verglichen werden können
- Faire Preismodelle: Nutzungsbasiert statt pauschaler Abo-Mauern
Wo Deutschland steht
Gartner prognostiziert, dass bis Ende 2026 rund 40 Prozent aller Enterprise-Anwendungen KI-Agenten integrieren werden — eine Verachtfachung gegenüber heute. Im DACH-Raum kommt ein zusätzlicher Faktor dazu: die DSGVO und der EU AI Act.
Deutsche Unternehmen brauchen Agents, die auf EU-Servern laufen, die transparent mit Daten umgehen und die regulatorische Anforderungen erfüllen. Die großen US-Plattformen behandeln das als Fußnote. Für den deutschen Mittelstand ist es eine Voraussetzung.
SAP hat im Februar neue KI-Agenten für Reisebuchung und Spesenabrechnung vorgestellt. Serviceplan baut Marketing-Agents für KMU. Der Bedarf ist da — aber die Infrastruktur für unabhängige, DSGVO-konforme Agent-Distribution hinkt hinterher.
Was jetzt passiert
Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich die Fragmentierung verfestigt oder ob offene Alternativen Traktion bekommen. Drei Dinge, die Entwickler und Creator jetzt tun können:
1. Nicht all-in auf eine Plattform gehen. Lock-in ist bequem, bis die Plattform die Regeln ändert. Wer seine Agent-Logik modular hält, bleibt flexibel.
2. MCP und offene Standards im Auge behalten. Das Model Context Protocol ist noch jung, aber es ist der wahrscheinlichste Kandidat für eine Interoperabilitätsschicht. Frühzeitig damit arbeiten zahlt sich aus.
3. Die Zielgruppe dort abholen, wo sie ist. Nicht jeder Nutzer hat ein 200-Dollar-Abo. Agents, die über zugängliche Plattformen verteilt werden, erreichen mehr Leute.
Die Walled Gardens werden nicht verschwinden. Aber daneben entsteht Raum für offene Marktplätze, die Agents plattformunabhängig zugänglich machen. Genau da setzen wir mit AgentYard an — als unabhängiger Marktplatz für AI Agents, ohne Vendor-Lock-in und mit fairen Bedingungen für Creator.
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